Der Apophis, ein kleiner Asteroid der Spektralklasse Q, aus der Gruppe der Erdbahnkreuzer (Aten Gruppe) wird in 19 Jahren, an einem Freitag den 13. die Erde wohl knapp verfehlen.

Knapp heißt in diesem Fall 30 000 Kilometer. Das klingt ganz gut. Aber die Erde hat einen Durchmesser von 12 800 Kilometer. Das sieht dann in der Relation so aus:

Der Längsdurchmesser des Asteroiden ist natürlich nicht maßstabsgetreu, denn er beträgt nur 270 Meter. Die Masse wird mit 27 Millionen Tonnen angegeben. Man geht also von einer Dichte von knapp über 2.0 g/cm3 aus. 

Die NASA schätzt die kinetische Wucht eines solchen Einschlages so ein, daß es der Sprengkraft von mehr als 500 Millionen Tonnen TNT entsprechen würde, so viel wie 100 große Wasserstoffbomben, oder 25 000 Hiroshimabomben. Ich habe das mal nachgerechnet, es kommt tatsächlich hin, wenn man die Einschlagsgeschwindigkeit nicht mit den „üblichen“ 16 bis 20 km/sec ansetzt, sondern nur mit etwa 12 km/sec. Wie kommt die NASA auf diese geringe Geschwindigkeit? Vermutlich deshalb, weil Apophis ja nicht aus den Weiten des Sonnensystems zu uns kommt, sondern sich auf einer, der Erdbahn sehr ähnlichen, Bahn bewegt. Er weist keine große Geschwindigkeitsdifferenz zur Erde auf und so würde er nur mit der terrestrischen Fluchtgeschwindigkeit von 11.2 km/sec einschlagen, plus ein bißchen Differenzgeschwindigkeit. Das passt also ganz gut. Aber er trifft uns ja gar nicht, jedenfalls nicht 2029. Vielleicht bei seiner Wiederkunft 2035, weil Apophis beim ersten Rendezvous Bahnstörungen im Graviatationsfeld der Erde erfahren wird. Aber auch dann werden wir mit großer Wahrscheinlichkeit noch mal Glück haben.

Allgemeine Panik und Angst ruft der Apophis deshalb nicht hervor, außer vielleicht in der Zeit kurz nach seiner Entdeckung im Jahre 2004. Die Einschlagswahrscheinlichkeit wird heute mit 1 : 45 000 angegeben.  

„Knapp vorbei ist auch daneben“ – heißt es heute, das  klingt cool, ist in Wirklichkeit aber ziemlich blöd. Denn bei einer Risikoanalyse ist die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses mit dessen Gefährlichkeit zu vergleichen. Denn die Folgen eines solchen Einschlags (aber auch die eines „Luftzerlegers“ in ein paar Kilometer Höhe) sind so verheerend, daß sie die Folgen eines Super-Erdbebens (Richterskala 9.0) leicht übertreffen können. Wenn man sich bei einem Unfall nur eine Beule holen kann, nimmt man eine Wahrscheinlichkeit von 1 : 100 gerade noch in Kauf.

Ist der Tod möglich, aber keineswegs sicher, (beim Eisenbahnunglück) sollte die Wahrscheinlichkeit eines Unglückes besser bei 1 : 10 000 pro Eisenbahnfahrt liegen. Ist der Tod fast sicher (beim Flugzeugunglück), riskiert man es erst ab einer Wahrscheinlichkeit von 1 : 100 000, in ein Flugzeug zu steigen. Die Wahrscheinlichkeit, in einem westlichen Land, durch technisches Versagen eines  Kernkraftwerkes ums Leben zu kommen, beträgt 1 : 1 Million pro Jahr und Person, also 1 : 10 000 für ein hundertjähriges Leben. Um im Auto umzukommen, muss man (in Deutschland) 100 Millionen Kilometer fahren. Dazu braucht man gut 5000 Jahre.

Nun würde ein Einschlag des Apophis den Tod vieler Menschen bedeuten, aber das es unter den sechs Milliarden gerade einen selbst trifft, ist relativ unwahrscheinlich. Aber sollte man daß das als Entschuldigung für Gleichgültigkeit und Untätigkeit gelten lassen? Ich denke nein.

Drei Szenarien werden hier mal kurz skizziert:
 
Fall 1: Apophis schlägt im Indischen Ozean ein
Die NASA veranschlagt die Höhe der Tsunami (in Einschlagsnähe) auf 100 m. Wenn die Welle beispielsweise mit 50 m Höhe Bangladesh erreicht, wird sie fast das ganze Land überfluten. Das kann dann allein dort Opferzahlen von 100 Millionen bedeuten. Aber die Indischen, burmesischen und Ostafrikanischen Küsten wären ja auch noch betroffen. 

Fall 2: Apophis schlägt in der Sahara ein
Das klingt nicht ganz so beunruhigend, immerhin könnte das Ereignis sogar ohne Tote ablaufen. Aber das täuscht. Wenn der Apophis sich auf seinem Weg durch die Atmosphäre nicht vorher zerlegt, und wenn er unter einem ungünstigen Winkel einschlägt ist mit einem 150 m tiefen Krater von 1 km Durchmesser zu rechnen. Etwa ein bis zwei Milliarden Tonnen Staub (das fünzigfache der Apophismasse) werden bis in die Stratosphäre geschleudert. Die weltweiten Auswirkungen entsprechen einem superschweren Vulkanausbruch, noch schlimmer als beim Krakatau oder Pinatubo, allerdings geringer als beim Ausbruch des Tambora im Jahre 1815. Daraus ergeben sich schwere, weltweite Mißernten, über einen Zeitraum von mindestens zwei bis drei Jahren. Der wirtschaftliche Schaden mag vielleicht einige hundert Milliarden Dollar betragen, direkte oder indirekte Todesopfer der Hungersnöte wird es wohl zusätzlich geben, wie viele auch immer.

Fall 3 Apophis schlägt im Ruhrgebiet ein
Das würde das Ende von ganz NRW bedeuten, mit 10 bis 15 Millionen Toten. Die Einschlagsenergie entspricht der Sprengkraft von 100 schweren Wasserstoffbomben. Die Menschen werden zerschmettert, hinweg gefegt, aber auch verbrannt. Letzteres deshalb, weil außer der Hitzewelle beim Einschlag ja noch die Strahlung der  20 000 Grad heißen Oberfläche des durch die Atmospäre anfliegenden Asteroiden hinzu kommt. Das Maximum einer solchen Strahlung liegt im Bereich der harten UV-Strahlung, etwa bei 100 Nanometer Wellenlänge. Der Apophis leuchtet (für einige Sekunden) unfassbar viel heller als die Sonne. Die menschliche Haut verkohlt vollständig (4. Grades) und man erblindet natürlich, wenn man hinschaut (der Film Deep Impact war in dieser Hinsicht sehr unrealistisch!)  

Angrenzende Gebiete, wie Niedersachsen, Belgien, Holland etc. würden zumindest stark in Mitleidenschaft gezogen, und wären zeitweise unbewohnbar. Der wirtschaftliche Schaden eines solchen Einschlages ist eigentlich nicht mehr darstellbar. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint die Trefferwahrscheinlichkeit von 1 : 45 000 eigentlich gar nicht mehr so gering.

Sie müsste im Grunde genommen bewirken, daß die Menschheit es sich wenigstens ein paar Milliarden kosten lässt, technische Grundlagen für eine Ablenkung von Apophis schaffen. Nämlich für den Fall, daß noch unbekannte Bahnstörungen den Kurs des Asteroiden Richtung Erde verändern. Merkt man es erst drei Monate vorher, ist es zu spät. Aber so ist es halt im Leben, wer eingebildete oder harmlose Gefahren aufbauscht, wie BSE, Waldsterben, Nanopartikel im Essen, Genmais usf., kriegt die richtig schlimmen Sachen eben nicht mit. 



Author: Michael Boden


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