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Warum Raumfahrt?

Oft genannte Ziele sind unser Streben nach Wissen bzw. wissenschaftliche Entdeckungen (Hubble Space Teleskop, Marsrover,…), humanitärer und wirtschaftlicher Nutzen (Wettersatelliten, medizinische Forschung in Schwerelosigkeit, technologische „Spinoffs“,...) und Sicherheitsinteressen (Aufklärungssatelliten, staatenübergreifende Zusammenarbeit,…).

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob wir das Sonnensystem in unseren Einflussbereich bringen wollen, im Sinne der wirtschaftlichen Nutzung weiterer Ressourcen, und für unsere eigene Perspektive im dem Sinne, dass die Menschheit die Wiege irgendwann verlassen sollte, um nicht „alle Eier in ein Nest zu legen“. Kurzfristig ist hier die Abwehr anfliegender Asteroiden zu nennen – eine reale (!) Gefahr. Mittel- bis langfristig sind Ressourcen aus dem Weltraum nutzbar (Sonnenenergie, Rohstoffe). Sehr langfristig liegt das Ziel in einer raumfahrenden Gesellschaft.

Emotional würde ich eher die Neugier sehen, einfach die Frage, was nach dem Bekannten kommt, und das neue Bewusstsein, das der neue Blick zurück auf die kleine blaue „Murmel“ Erde bringt - etwas frech formuliert das „Ende der Engstirnigkeit“. Bereits eintretende positive Folgen der geänderten Haltung durch den Blick zurück sind ein erweitertes Verständnis unserer Welt – auch zum Schutz unserer Umwelt - und die im Vergleich zu früheren Jahrhunderten gestiegene globale Bereitschaft zur Hilfe.

Die eigentliche Bereicherung scheint mir die Inspiration für uns Alle zu sein, die aus Neugier mit einer Prise Abenteuer und dem bewussteren Blick entstehen kann: Welcher Schüler möchte nicht einmal durch die Weiten des Weltalls fliegen, als erster auf dem Mars stehen, wer von uns möchte nicht sehen und verstehen, was jenseits unserer Welt liegt? Mit ein wenig Wissen von Naturwissenschaften und Mathematik. Inspiriert durch die Apollo-Missionen zum Mond wandte sich eine inspirierte Generation junger Menschen naturwissenschaftlichen und technischen Berufen zu, mit Erfolgen in vielen Bereichen der Gesellschaft. Einflüsse auf Literatur, Musik, Kunst, Philosophie und andere Bereiche werden sicher hinzukommen. Letztlich hat Raumfahrt definitiv eine kulturelle Dimension!

Vielleicht spielt auch der Drang als einzelner Mensch wie als Gesellschaft eine Rolle, in einem Bereich das Bestmögliche zu leisten, herauszuragen, der „Sieger“ zu sein.

Ein weiterer Beweggrund ist der Wunsch sein, nachfolgenden Generationen eine inspirierende und generationenübergreifende Aufgabe zu übergeben, eine Aufgabe, die sowohl an uns erinnert wie allen Menschen über unser Menschenleben hinaus Nutzen bringt.

Ein letzter Gedanke zu den Kosten, da immer wieder argumentiert wird, das Geld könnte gewinnbringender für soziale Aufgaben eingesetzt werden. Die Kosten sind eher gering! Selbst wenn wir in den westlichen Ländern ein großes Programm wie den bemannten Flug zum Mars angehen würden, man spricht von 100 bis 300 Milliarden US-Dollar über 15 bis 20 Jahre, wären die Kosten für den Einzelnen verschwindend gering!

Von welchen Kosten sprechen wir? Zusammengetragen aus verschiedenen Quellen, ohne Gewähr auf Korrektheit, habe ich folgende Raumfahrt-Ausgaben gefunden, Gesamtangaben in Milliarden US-Dollar, in Klammern US-Dollar je Einwohner:

 

Staatliche Budgets 2013:

USA                                 39,3 Mrd.     (124)

China                               10,8 Mrd.     (8)

Russland                     8,7 Mrd.     (61)

Indien                                4,3 Mrd.     (3)

Japan                                3,4 Mrd.     (23)

Frankreich                     2,4 Mrd.     (38)

Deutschland              1,6 Mrd.     (20)

Andere                     ?

 

Privatwirtschaft 2012:

Rundfunk                 93,0 Mrd.

Kommunikation         21,0 Mrd.

Erdbeobachtung         2,0 Mrd.

Bodengebunden      110,0 Mrd.

 

Autor:

Gerd Rauenbusch

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