Raumfahrtpionier Konrad K. Dannenberg

Am 16. Februar 2009 verstarb Konrad Dannenberg, einer der bedeutendsten Raumfahrt-Pioniere, im Alter von 96 Jahren in Huntsville, Alabama, USA.

 

 

 Quelle: Patricia Miklik Doyle

 

Einführung

Nach seiner Zeit in Peenemünde kam Konrad Dannenberg im Zuge der Operation Paperclip in die USA. Bekannt wurde Konrad Dannenberg als stellvertretender Leiter des Entwicklungsprogramms der Saturn V - Rakete. Als einer der treibenden Kräfte beim Aufbau des Space Camp in Huntsville, einer Bildungseinrichtung, machte er sich im Ruhestand einen Namen in der Motivation und Unterrichtung von Jugendlichen und Studenten.

1995 traf ich Konrad und seine Frau Jackie. Konrad war ein perfekter Gastgeber und sprach lebhaft über vergangene und zukünftige Projekte, aber immer mit dem Blick nach vorn. Jackie war sehr zuvorkommend und verhalf zu einigen spannenden Einsichten am US Space & Rocket Center. Durch ein Treffen bei Dr. Ernst Stuhlinger hatten wir eine weitere nette Gelegenheit zu interessanten Gesprächen.

Definitiv verstärkten die Gespräche mit Konrad in diesen Tagen und während zweier vorhergehender Treffen in Deutschland den Wunsch aktiv beizutragen. Mit parallelen Aktivitäten weiterer Raumfahrtbegeisterter trug sein Enthusiasmus dazu bei, den Grundstein zur Gründung der Deutschen Raumfahrtgesellschaft e.V. zu legen, einem ‚Chapter‘ der US-amerikanischen National Space Society.

 

Leben

05. August 1912   Geboren im Schloss Weißenfels

Schule                   In Hannover, Kontakte als Schüler mit Max Valier

Studium                 Maschinenbau-Studium mit Schwerpunkt Dieseleinspritztechnik
                               an der  Technischen Hochschule Hannover

ab 1931                  Arbeit bei VDO an Einspritzanlagen für Dieselmotoren
                               Mitglied in der Gesellschaft für Raketenforschung
                               Bau dieselgetriebener Raketentriebwerke aus Fahrradrahmen

2. Weltkrieg            Offizier in Frankreich

Heeresversuchsanstalt Peenemünde

1943                       Versetzung an die Heeresversuchsanstalt Peenemünde
                                auf Grund seiner Kenntnisse im Bereich Einspritztechnik
                                Leiter der Abteilung Antriebe unter Walter Riedel, dem
                                Kopf des technischen Entwicklungsbüros
                                Heirat mit Ingeborg M. Kamke (Sohn Klaus Dieter),
                                einer Sekretärin Walter Riedels

bis 1945                  Arbeit unter Dr. Walter Thiel an den Raketentriebwerken
                               des Aggregats 4 (V2)

 

 

 

 

Peenemünde, Aggregat A4 ("V2")

 

Transfer in die USA

17.10.1945             Traf in Cuxhaven während der Operation ‚Backfire‘ den späteren
                                Sputnik-Konstrukteur Sergej Koroljow, ohne seinen Namen zu kennen

nach 1945               Mitglied der Operation ‚Paperclip‘, kam von Nordhausen über Cuxhaven
                                (Operation Backfire) und Washington nach White Sands, New Mexico

 

Mannschaft der Operation Paperclip

 

Deutsche Wissenschaftler der Operation ‚Paperclip‘:

Rudolph 'Rolf' Ammann, Wilhelm Angele, Rudi Beichel, Kurt Blome, Werner Dahm, Konrad Dannenberg, Kurt H. Debus, Casper van Diën, Friedrich Duerr, Ernst R. G. Eckert, Krafft Arnold Ehricke, Ernst Geissler, Dieter Grau, Walter Häussermann, Karl Heimburg, Otto Hirschler, Helmut Hoelzer, Hans Hüter, Wilhelm Jungert, Georg ("George") Emil Knausenberger,  Heinz-Hermann Koelle, Hermann H. Kurzweg, Alexander Lippisch, Hans Maus, Heinz Millinger, Fritz Müller, Willy Mrazek, Erich W. Neubert, Hans Joachim Pabst von Ohain, Theodor A. Poppel, Eberhard Rees, Gerhard Reisig, Georg Rickhey, Werner Rosinski, Ludwig Roth, Arthur Rudolph, Harry Ruppe, Friedrich von Saurma, August Schulze, Karl Eduard Schüssler, Walter Schwidetzky, Ernst Stuhlinger, Bernhard Tessmann, Adolf Thiel, Eric Traub, Wernher von Braun, Albert Zeiler, Theodor Karl Otto Vowe, Georg von Tiesenhausen, Hans Ziegler


Deutsche Wissenschaftler nach der Operation ‚Paperclip‘:

Walter Dornberger, Anselm Franz, Hermann Oberth, Jesco von Puttkamer, Hubertus Strughold, Guenter Wendt

 

Die frühen Jahre in den USA

ab 1945                    Im ‚Paperclip‘-Team in Fort Bliss beschäftigten sich die meisten
                                   Mitglieder mit Berechnungen und Entwürfen zukünftiger Raketen
                                   für größere Nutzlasten.
                                   Training von Mitarbeitern der US Armee und von General Electric im
                                   Abschuß der V2-Raketen auf dem White Sands Testgelände.
                                   Untersuchung der oberen Atmosphäre mit Höhenraketen.

1950er Jahre           Konstrukteur der „Redstone“ Rakete in Huntsville, Alabama
                                   Verantwortung für die Beschaffung der
                                   Raketenmotoren für Redstone- und Jupiter-IRBM bei
                                   NAA-Rocketdyne und seitens der US-Armee für die
                                   Produktion der Redstone- und Jupiter-Raketen bei
                                   Chrysler in Detroit, Michigan.

1960er Jahre              Stellvertretender Leiter des Saturn-Raketenproramms
                                   am Marshall Space Flight Center im Rahmen
                                   des Apollo-Programms, zeitweilig am Jet Populsion
                                   Laboratory in Pasadena/Kalifornien

 

9. März 1962. Mitglieder des House Committee on Science and Astronautics besuchen das Marshall Space Flight Center. Von links nach rechts:

Dieter Grau und Konrad Dannenberg, Marshall Space Flight Center; James G. Fulton, Vertreter der Republikaner in Pennsylvania; Joe Waggoner, Vertreter der Democraten in Louisiana , Dr. Wernher von Braun, Direktor des Marshall Space Flight Center.

Quelle: NASA/MSF

 

 

 16. Juli 1969, Start von Apollo 11, Quelle: NASA

 

 

Apollo 11, der Blick zurück. Quelle: NASA

 

 Apollo 11. Quelle: NASA

 

 Die Zeit nach der NASA

 1970er Jahre          Außerordentliche Verdienstmedaille der NASA
                                   Außerordentlicher Professor für Raumfahrttechnik am
                                   Space Institute (UTSI) der University of Tennessee in Tullahoma
                                   Mitglied des American Institute of Aeronautics and Astronautics (AIAA)
                                   und Präsident der Sektion Alabama des AIAA
                                   Mitbegründer des Alabama Space and Rocket Center
                                   (jetzt US Space and Rocket Center)
                                   Mitbegründer des Space Camps, einer Bildungseinrichtung
                                   für Raumfahrttechnik für Schüler und Lehrer


1980-90er Jahre     Lehrauftrag des AIAA Durand Lectureship
                                   Mitglied der NASA/MSFC Retiree Association
                                   Mitglied der National Space Society
                                   Tod seiner Frau Ingeborg

                                   Heirat mit Jackie, Jacquelyn E. Staiger aus Boston, Massachusetts
                                   Fördert Ingenieurideen für neue Antriebssysteme, u.a. durch das
                                   Konrad-Dannenberg-Stipendium für Schüler zur Teilnahme an der
                                   Space Academy des Alabama Space and Rocket Center
                                   Vorträge im US-Space & Rocket Center und in
                                   zahleichen Organisationen, Schulen und Clubs
                                   Einsatz für Nachwuchsförderung, nach einer Schätzung Edward O.
                                   Buckbees traf Konrad Dannenberg ca. 250.000 Space Camper
                                   Mitbegründer des NASA Moonbuggy Races, Jurymitglied

 

1999 trafen sich die deutschen Mitglieder des ursprünglichen von Braun Raketen-Teams, um an der Widmungszeremonie der Saturn V Nachbildung teilzunehmen. Von links nach rechts: Walter Jacobi, Konrad Dannenberg, Apollo 14 Edgar Mitchell, NASA Administrator Dan Goldin, Apollo 12 Dick Gordon, Gerhard Reisig, Werner Dahm, Marshal Space Center Direktor Art Stephenson, Direktor des U. S. Space and Rocket Center Mike Wing, Walter Haeusserman und Ernst Stuhlinger.

Quelle: NASA/MSFC

 

ab 2000               Mitglied in der Ansari-X-Preis-Foundation
                            Freund und Kollege des Privatraumfahrtpioniers Burt Rutan

 

 

Im Gespräch mit Burt Rutan, Scaled Composites

 

 

29.01.2008.  Aus Anlass der Einweihung des Davidson Center for Space Exploration und als Teil der Festlichkeiten der Stadt Huntsville zum 50. Jahrestag Amerikas im Weltraum zeichnete die NASA/MSFC Retiree Association Konrad Dannenberg und andere Mitglieder des von Brauns‘ Rakententeams mit einer Gedenkmedaille aus.
Quelle: NASA/MSF

 

 

Mit Tom Hanks und Dr. Ernst Stuhlinger

 

 

Im Space Camp.

 

16. Februar 2009

 

Autor: Gerd Rauenbusch

 

 

Quellen:

Marsha Freeman, How We Got to the Moon. The Story of the German Space Pioneers., 21st Century Science Associates, Washington,, D.C., USA, 1993

Fredeick I Ordway III, Mitchell R. Sharpe, The Rocket Team, The MIT Press, Cambridge, Massachusetts, USA, 1982

Ernst Stuhlinger, Frederick I. Ordway III, Wernher von Braun. Crusader for Space., Krieger Publishing Company, Malabar, Florida, USA, 1994

Konrad K. Dannenberg, From Vahrenwald via the Moon to Dresden, International Astronautical Federation, 1990

Konrad K. Dannenberg im Gespräch mit Olaf Przybilski:

http://www.raketenspezialisten.de/pdf/03_Interview%20Dannenberg.pdf

 

 

 

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