Ein Beitrag von Clemens Köhne, Gründungsmitglied der DRG/GSS e.V. und 1.Vorsitzender von Cosmic Mind Art e.V.

Die Menschen haben an der Schwelle zum 3. Jahrtausend das Tor zum Universum aufgestoßen und beginnen eine Entdeckungsreise, die die Fahrten von Columbus und Magellan wie Spaziergänge erscheinen läßt. Viele Künstler der Gegenwart kommentieren diese Reise und setzen sich in ihren Werken mit dem geheimnisvollen Zusammenhang zwischen Mensch und Kosmos auseinander. 1996 hat bereits die erste internationale Kunstausstellung im Weltall auf der russischen Raumstation MIR stattgefunden.

Trotzdem sind im Kunstbetrieb immer wieder Klagen über eine sinnentleerte Postmoderne zu hören. Jean Baudrillard, einer der führenden Denker unserer Zeit, äußert sich in seinem Essay "Die Diktatur der Bilder" (Spiegel Spezial, Ware Kunst 12/96) folgendermaßen:

"Was aber, wenn die Kunst damit spielt, sich unendlich zu recyclen, und dabei die Realität kidnappt? Der größte Teil der zeitgenössischen Kunst widmet sich nichts anderem: Sie übereignet sich der Banalität, dem Müll, der Mittelmäßigkeit als Wert und als Ideologie. In diesen unzähligen Installationen und Performances liefert sie nichts als ein opportunistisches Spiel mit dem Stand der Dinge und zugleich mit allen vergangenen Formen der Kunstgeschichte. Ein Geständnis der Nichtoriginalität, der Banalität und Nullität, ist zum Wert, zum perversen ästhetischen Genuß erhoben worden."

In diesem äußerst lesenswerten Essay wird mit vielen Erscheinungen des heutigen Kunstbetriebs abgerechnet. Leider macht sich aber auch hier bemerkbar, was für die moderne Kunstwissenschaft symptomatisch ist: Kosmische Kunst wird nicht zur Kenntnis genommen! Die Vertreter der kosmischen Kunst fragen nach den Zusammenhängen zwischen der Intelligenz von Menschen und dem Bewußtsein der Sterne. Sie stellen Hypothesen zur Struktur des Universums auf. Sie untersuchen die Bedeutung der Weltraumfahrt für den Weltfrieden.

 

 

Diese Themen kommen im etablierten Kunstbetrieb allerdings nicht zur Sprache. Auch Baudrillard, der doch die "Nullität"der Gegenwartskunst in seinem Aufsatz geißelt, beschreibt das "grundlegende Ereignis der Kunst" leider immer noch so: "Die wirklich poetische Tat besteht darin, das Nichts an die Macht des Zeichens kommen zu lassen - nicht die Banalität oder Gleichgültigkeit des Realen, sondern die radikale Illusion."

Sich mit dem Nichts zu beschäftigen, mag als ästhetische Spielerei angehen, aber dabei von dem grundlegenden Ereignis der Kunst zu sprechen erscheint doch arg übertrieben.

Die kosmische Kunstt vertritt einen völlig anderen Ansatz: Die bildende Kunst hat in ihrer Geschichte immer eine Aufgabe gehabt: Träume und Sehnsüchte, Triumph und Angst der Menschheit darzustellen, also dem Menschen den Mensch zu zeigen. Diesem Anspruch wird die etablierte Kunst der Postmoderne mit ihren "unendlichen Zeichenketten" und "Versatzstücken der Kunstgeschichte" nicht mehr gerecht und sie hat darum einem großen Teil der Bevölkerung nichts mehr zu sagen.

Kosmische Kunst erhebt nicht den Anspruch, alle Aspekte der menschlichen Existenz auszuloten, aber sie beschäftigt sich mit vielen grundlegenden Fragen: Was ist das Universum und welche Rolle spielt der Mensch darin? Findet die Zukunft der Menschen allein auf der Erde statt oder sind wir im Begriff die Reise zum Mond bis über die Grenzen unseres Sonnensystems hinaus fortzuführen? Was können wir von der Raumfahrt erwarten und, nicht zuletzt, inwieweit kann der Mensch eine Bedrohung für das Universum sein?

Unabhängig davon, wie man selbst diese Fragen beantworten würde; die Kunst muß sich ihnen stellen, sie weiterdenken und mögliche Antworten sichtbar machen. Kunst, die das tut, kann von heutigen Menschen ernstgenommen werden und wird von späteren Generationen als wichtiges Zeitdokument betrachtet werden. Es ist an der Zeit, die postmodernen Spielereien einer Kunst im Elfenbeinturm zu beenden und sich mit künstlerischen Mitteln an dem Aufbau einer Perspektive für die Menschen im nächsten Jahrtausend zu beteiligen.

Ein Beitrag von Clemens Köhne
Gründungsmitglied der DRG/GSS e.V.
und 1.Vorsitzender von Cosmic Mind Art e.V.

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