Kann man Botschaften im Erbgut verstecken?

"Jede außerirdische Zivilisation in unserer Ecke der Galaxis wäre der unseren technisch vermutlich um viele zehn oder gar hundert Millionen Jahre voraus", erläutert Paul Davies vom Australian Centre for Astrobiology in Sydney das Dilemma der Suche nach ET. Denn, so der Wissenschaftler, es sei kaum anzunehmen, dass die Außerirdischen über einen so langen Zeitraum Botschaften ins All senden würden. Die Chance, sich per Radiobotschaft in den Äonen der galaktischen Evolution zu verfehlen, ist also immens.


Was also wäre die richtige Strategie?

Seit langen diskutieren die Astrobiologen über die Möglichkeit, Botschaften im Erbgut zu verstecken. Speziell entwickelte Viren könnten, so Davies, mit Raumsonden in viel versprechende Planetensysteme geschickt werden und dort die Botschaften in die DNA der heimischen Tierwelt einschleusen. Das Problem: Mutationen verändern das Erbgut - und verwandeln jede etwaige Botschaft in Buchstabensalat. Zwar gibt es auch stabile DNA-Sequenzen, doch diese sind zumeist lebenswichtig: Die Unterbringung einer Botschaft in diesem Bereich würde folglich den Boten töten.

Doch nun scheint es eine Lösung für dieses Dilemma zu geben. Im Juni berichteten Forscher des Lawrence Berkeley National Laboratory in Kalifornien von der Entdeckung einer hochgradig stabilen DNA-Sequenz, die ohne jede funktionelle Bedeutung ist ("junk DNA"). Dies, so Davies, wäre folglich der ideale Ort für Außerirdische, um eine Botschaft zu verstecken, die über Jahrmillionen erhalten bliebe. Der Forscher schlägt deshalb in der aktuellen Ausgabe des Magazins New Scientist vor, die DNA-Sequenz nach auffälligen Mustern wie etwa Primzahlen abzusuchen.

Die sogenannte "Panspermie"-Theorie unterstützt eine ähnlich interessante Annahme: Hier wird vermutet, daß das Leben kein irdischer Zufall ist, sondern durch z.B. Meteoriten auf die Erde gelangt ist. Demnach hätten auch andere Planeten durchaus die Chance gehabt, mit "lebendigem Material" befruchtet zu werden. Ob nun unsere möglichen Brüder und Schwestern im All auch optisch zu uns passen, ist noch schwerer vorherzusagen.

 

Autor: Dennis M. Otto

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