Wohnen wie auf dem Mars

Blenden wir zurück ins Jahr 1999. Im türkischen Izmit richtet ein schweres Erdbeben riesige Zerstörungen an.In der europäischen Raumfahrtagentur ESA entsteht der Gedanke, Technologien für das Leben im Weltraum und auf auf anderen Planeten in Gebäuden auf der Erde einzusetzen, die Erdbeben, Stürmen und anderen extremen Umweltbedingungen trotzen können.

Das erste Space House hätte bereits im Jahre 2008 existieren können! Die erste Vorstellung des Konzeptes im Juli 2001 im Alfred-Wegener-Institut, Bremerhaven, führte zu einer Zusammenarbeit mit den Polar- und Meeresforschern, die 2008 einen Nachfolger der deutschen Forschungsstation "Neumayer II" in der Antarktis anstreben. Im Juli 2004 kündigte Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn die Investition von 26 Millionen Euro für den Bau der neuen Station an.

Antarktis Forschungsstation "Neumayer II"

Während der 28. Internationalen Antarktiskonferenz in Bremen stellte die europäischen Raumfahrtagentur ESA schließlich das Ergebnis der Zusammenarbeit vor, den Entwurf eines Space House für die geplante neue Forschungsstation "Neumayer III".

Space House der Esa

Sicherheit steht im der Antarktis an oberster Stelle. Daher wählten die Ingenieure eine kugelförmige Struktur - eine der stabilsten selbsttragenden Formen überhaupt. Die Konstruktion selbst ist in selbsttragendem kohlefaserverstärktem Kunststoff ausgeführt, mit Stelzen, die das Haus sowohl thermisch isolieren als auch von Bewegungen des Bodens abkoppeln. Das Haus soll sowohl Erdbeben der Stärke Sieben auf der Richterskala standhalten, als auch Stürmen mit Geschwindigkeiten von bis zu 220 Kilometern pro Stunde und drei Meter hohen Überschwemmungen trotzen.


Ein weiterer Schritt zu höherer Autonomie und zur Vermeidung der Beeinflussung der Umwelt sind hoch effiziente Solarzellen aus der Satellitentechnik. Sie versorgen das Gebäude mit Strom. Das Wasser wird gereinigt und recycelt. Eine neue Technologie soll Krankheitserreger aus der Luft filtern. Der modulare selbsttragende Aufbau ermöglicht den Abbau und Abtransport der Station nach der Nutzungszeit.


Wohnungsbau in gefährdeten Gebieten

Der Prototyp des neuen Space House könnte der Beginn einer neuen Generation von Häusern in gefährdeten Gebieten werden. Weitere Innovationen aus der Raumfahrt sind ebenfalls interessant für den Hausbau, so hochwirksame Feuerschutzwerkstoffe oder Kunststoffolien, die vor Blitzschlag schützen.

 

Autor: Gerd Rauenbusch

 

 

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